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Overwatch World Cup: Das All-Hair-Team

Overwatch World Cup: Das All-Hair-Team

Overwatch-Events live zu erleben, ist aus vielerlei Gründen spannend. Es befindet sich einfach alles direkt vor einem, Emotionen liegen als knisternde Spannungen in der Luft. Und endlich haben die Spieler auch Gelegenheit, optisch ihren persönlichen Stil zu zeigen – allerdings mit ein paar Einschränkungen. Das Problem ist folgendes: Wenn alle die gleichen Trikots tragen und an Tischen sitzen, die die untere Körperhälfte verdecken, können die Zuschauer während 90 % des Matches – also vom Betreten der Bühne, Halbzeitpausen und dem Händeschütteln abgesehen – nur die Köpfe der Spieler sehen, und dabei insbesondere ihre Haare.

Es gibt natürlich auch andere Sportarten, bei denen das genauso ist. Das Internet ist voll mit Seiten, die sich ausschließlich den Schnitten und Stylings der Haare von Basketball- oder Fußballspielern oder Olympioniken widmen. Also, was haben die besten Overwatch-Spieler der Welt obenrum zu bieten? Wer würde es ins All-Hair-Team des Overwatch World Cups schaffen?

Da das hier ein absolut ernsthaftes Gedankenexperiment ist, gibt es natürlich einige Regeln:

  • Leistung zählt, es sind also nur Spieler aus Ländern der Top 8 qualifiziert.
  • Die Spieler müssen im BlizzCon-Kader ihres Landes sein (ade, Saebyeolbe).
  • Darüber, ob Tomaten Obst sind, kann man sich streiten, aber ein Bart ist eine Frisur, Punkt.
  • Da lasse ich nicht mit mir reden.

Mit nur 56 Spielern in den acht zur Diskussion stehenden Teams sind die Ergebnisse durchwachsen. Südkorea ist vielleicht ein Favorit auf der BlizzCon, aber falls es diesem Team gelingt, einen Hattrick hinzulegen, dann hätte es den nicht seinen denkwürdigen Haarschnitten zu verdanken. Die Australier sind unter den Teilnehmern möglicherweise die, die für jeden Spaß zu haben sind, einschließlich eines Gruppenfotos in Känguru-Einteilern, aber ihr Abenteuergeist hat es nicht bis in den Friseursalon geschafft. Ich lasse mich an diesem Wochenende gerne angenehm überraschen, aber bis dahin kann ich nur mit dem Material arbeiten, das ich habe.

Also, hier kommt euer internationales All-Hair-Team für Overwatch – kein kompletter Kader, da es nur vier Spieler sind, aber dafür gibt es schließlich die Gruppensuche.

Shane „Rawkus“ Flaherty, USA

Wo ruht die Seele von Team USA? Findet sie sich in seinem aggressiven mahlstromartigen Spielstil, der alle Gegner aufzureiben droht? Oder beruht sie auf dem Geist der Jugend, da sowohl Indy „Space“ Halpern als auch Jay „Sinatraa“ Won für ihr Alter beeindruckende Leistungen zeigen und den Rest der Overwatch-Community das Fürchten lehren?

Das mögen gute Argumente sein, die sich vielleicht auch von solchen Albernheiten wie Statistiken und Logik belegen lassen, aber wir reden hier von purer kosmischer Energie. Und um die zu spüren, reicht ein Blick auf Rawkus, den diesjährigen MVP des OWWCs – Most Valuable Pelz. Er ist ein Veteran und ein Anführer – so einen wie ihn braucht jedes Team. Aber was noch viel wichtiger ist: Er hat eine der wiedererkennbarsten Frisuren der Spielerwelt.

Fangen wir einmal damit an, dass seine asymmetrische Haarpracht eine einzigartige Perspektivenstudie ist. Seht ihr ihn von links, ist da ein dunkler Undercut und ein Vollbart, der klassische Holzfällertyp, seit Jahrhunderten beliebt dank des Charmes von Bürgerkriegsgenerälen, Schauspielern auf halben Wege zu ihrem Karrierehöhepunkt sowie jedem Profi-Hockeyspieler seit diesem April. Begebt ihr euch auf seine rechte Seite, entdeckt ihr die lange, blondgefärbte Haartolle, die je nach Anlass und Uhrzeit einem flaumigen Bausch Zuckerwatte oder einem leicht in sich zusammengesackten Soufflé gleicht.

Und jetzt geht noch einmal nach links, aber blickt dieses Mal in einem 45°-Winkel von vorne. Blinzelt etwas. Okay, blinzelt noch etwas mehr. Seht ihr es? Stellt euch einen Heiligenschein vor, vielleicht noch ein Paar Valkyrie-Flügel im Hintergrund. Halleluja, es ist Mercys Grunge-Rock-Bruder.

Das ist es, was Rawkus’ Haare so SCHÖN macht. Sie können all das sein, oder auch nichts von alledem – ein Quell unendlicher Interpretationsmöglichkeiten. Jeder von uns, egal, was er über Team USA oder die Houston Outlaws denkt, muss sich irgendwann in seinem Leben einmal folgende Frage stellen (die genauso tiefgründig ist, wie ihr sie haben wollt): Was erkennst du im Rorschachtest von Rawkus’ Frisur?

Benjamin „BigGoose“ Isohanni, Finnland

Im Finnischen gibt es ein auf der Welt einmaliges Konzept namens Sisu – es beschreibt eine Kombination stoischer mentaler Eigenschaften wie Beharrlichkeit, Unnachgiebigkeit und Kampfgeist, die die Finnen durch die sowohl meteorologisch als auch mental harten Winter bringt. Man kann Sisu nicht wirklich mit einer physischen Eigenschaft gleichsetzen – es ist eher das mentale Bild einer geballten Faust als ein rebellischer Aufschrei – aber die Art der Finnen, Overwatch zu spielen, hat etwas von diesem Sisu an sich. Schließlich reden wir hier von dem Team, das in Incheon entgegen aller Erwartungen Südkorea über fünf Karten standgehalten hat und nach einem missglückten Versuch im Vorjahr einen Platz in den Top 8 ergattern konnte.

Finnlands Kader besteht aus erfahrenen Veteranen, darunter einige der angesehensten Namen im Overwatch-Esports – und auch einige der angesehensten Frisuren. Deswegen war es extrem schwierig, einen Repräsentanten aus dieser Weltmacht der Kopfbehaarung auszuwählen. (Andere Kandidaten für diese Liste waren unter anderem Joona „Fragi“ Laines dichter Bartvorhang und Haarknoten sowie Joonas „Zappis“ Alakurttis Hipster-Version des gleichen Looks.) Dieses All-Hair-Team könnte auch ausschließlich aus Finnen bestehen, aber im Interesse einer gleichmäßigeren Vorstellung von Repräsentanten trägt hier BigGoose die Fackel für sein Land.

Seht euch einmal Fotos von BigGoose aus seinen Zeiten bei Team Gigantti an. Seine Locken waren damals noch kürzer und zahmer – ein kleines, noch ungeschorenes Lämmchen. Als er bei den Los Angeles Gladiators unterzeichnete, waren seine Haare nach außen und nach oben gewachsen und haben damit … einfach nicht mehr … aufgehört. Es gibt mindestens 200 Beschreibungen für BigGooses Haarpracht während dieser Saison der Overwatch League: ein Buschwerk, eine perfekte kleine Kumuluswolke, die Interpretation eines jungen Mannes von Peggy Bundys Perücke, Twitch streamt Bob Ross.

Aber jetzt sind wir beim Overwatch World Cup. BigGooses Haare sind aus ihrem unsichtbaren Netz entkommen, spüren endlich das Gewicht der Schwerkraft – oder der Erwartungen? – auf sich und nehmen eine Form an, anstatt einfach nur „mehr“ zu sein. Das, zusammen mit dem formlosen Bart, hat ihn zu einer ungezügelteren Version seiner selbst gemacht, was für Finnland auf dem Weg ins Viertelfinale gegen China nur gut sein kann.

Ihr wisst ja, was man sagt: Je größer die Haarpracht, desto mehr Sisu.

Lucas „NotE“ Meissner, Kanada

Irgendwann, nach Stunden der Abwägung mit schief gelegtem Kopf, kommt der Moment, wo einem die Aufgabe, die beste Frisur im ganzen Turnier zu finden, plötzlich aussichtslos erscheint. Warum mache ich das hier?, fragte ich mich beim Blick auf die einfallslosen Kurzhaarfrisuren, die allgegenwärtige moderne Dauerwelle und die zotteligen Ponys, die die Stirnen von Spielern auf der ganzen Welt verstecken. Sorry, aber ein sommerlicher Undercut ist heutzutage nicht gerade eine kühne Form der Selbstdarstellung.

Seht euch Team Kanada an. Wenn ihr das Team entlangblickt, seht ihr drei nichtssagende Kurzhaarschnitte und drei blondgefärbte Schöpfe. Okay, zugegeben, Lane „Surefour“ Roberts’platinblonde Mähne ist schon irgendwie nett – eine Art Rawkus light, könnte man sagen – aber innovativer wird es bei den Kanadiern nicht.

Und dann wird euer Blick wie magisch angezogen von NotE. Zunächst einmal hat rotblondes Haar einfach etwas unverfälscht Natürliches. Es ist vielleicht nicht das kupferrote Haar von Australiens Spieler Felix „CKM“ Murray, es ist eher die Haarfarbe, die man auf Bildern der Renaissance sieht, zusammen mit einer Obstschale, Waldgeistern oder übergroßer Halskrause (manchmal auch mit allem auf einmal).

Und dann ist da die Form: nicht wirklich ein Rundschnitt, aber auch nicht kantig. Eine Struktur mit überraschendem Tiefgang, mit Seitenpartien, die verraten, dass es morgens nicht mit einem flüchtigen Blick in den Spiegel getan ist. Länger als der Durchschnitt, aber nicht unnötig lang. NotEs Frisur ist die, die man bei einem Mittelfeldspieler einer erfolgreichen Fußballmannschaft erwarten würde, eine Punktladung zwischen nützlich und eitel. Er ist quasi die kanadische Version von Luka Modrić, nur nicht so verschwitzt.

Das passt zu einem D.Va-Spieler wie NotE, wenn man darüber nachdenkt. Als Off-Tank steht man auch nicht immer im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit, aber es kann immer sein, dass man plötzlich abhebt; und nicht zuletzt ist es seine Aufgabe, die Backline und die Offensive beisammenzuhalten. Eine haarige Aufgabe. NotE hat die Sache im Griff.

Xianyao „Yveltal“ Li, China

Manchmal ist weniger mehr, das gilt im Leben und auch in Overwatch. Team China war ein gutes Beispiel dafür, als es während der Gruppenphase in Bangkok wohlüberlegt an die Sache heranging und seine Ultis möglichst lange zurückhielt, um schon auf den nächsten Teamkampf vorbereitet zu sein. Auch was die Frisuren anging, zeigte das Team eine gewisse Zurückhaltung und präsentierte eine bewährte Mischung aus Dauerwelle, Topfschnitt und nur einem gefärbten Schopf – dem von Yangjie „Shy“ Zheng. Junjian „Sky“ He, der sich bisher für gewöhnlich mit blonden Fransen zeigte, hat jetzt einen strengeren schwarzen Look gewählt, der nicht von seiner Brille und seinen fantastischen Spielzügen mit Ana ablenkt.

Statt Sky war es diesmal sein Unterstützerkollege Yveltal, der einem mit seinem kurzen geraden Pony und den hohen rasierten Seitenpartien ins Auge sprang. Und ist das der dezenteste Rallyestreifen der Welt oder ein Schnitzer des Friseurs? Vielleicht werden wir das nie erfahren, und das ist auch okay. Manchmal ist es besser, wenn Kunst einzig vom Auge des Betrachters interpretiert wird.

Was für ein wunderbar schelmischer Haarschnitt. Die rasierten Seiten verlaufen in einer Welle nach hinten, sorgen dort für die Illusion eines Irokesenschnitts und lassen außerdem angenehmen Freiraum für sein Headset. Die gerundeten Seiten gleichen den strengen Pony aus, der im Übrigen vielseitiger ist, als man denken würde – zur Seite gebürstet oder hochgegelt entsteht ein völlig anderer Eindruck.

Aktuell gibt Yveltal einen Punk-Spock mit niedlichem Mönchsgesicht. In einem anderen Universum ist er der von den Fans geliebte Sidekick in einem Comic-Bestseller, für den bereits ein Spinoff in Vorbereitung ist. In diesem Universum ist er auf der BlizzCon und versucht, die Goldmedaille zu gewinnen. Er strahlt in beiden Szenarien die gleiche Energie aus.

Die Galerie der aufstrebenden Frisuren

Diese vier Spieler sind zwar haartechnisch die besten, die es zur BlizzCon geschafft haben, aber es gab noch jede Menge anderer fantastischer Kandidaten, die sich allerdings leider nicht qualifizieren konnten, da ihre Teams nicht in den Top 8 gelandet sind. Doch abseits ihrer Kartenbilanz sind sie alle Sieger im Wettbewerb der Frisuren.

Oliver „Eclipse“ Nguyen, Österreich

Erst 15 Jahre alt, aber schon aus so vielen Gründen legendär.

Yuma „Dep“ Hashimoto, Japan

Das nenne ich mal eine dichte Lockenpracht, Mann. Fast so beeindruckend wie seine Widowmaker-Fähigkeiten.

Jørgen „Decod“ Myrlund, Norway

Obenrum schreit es Wochenend-DJ, aber die nordische Kinnbehaarung verleiht dem Look Authentizität.

Teetawat „Teetawat“ Teerayosyotin und Pongphop „Mickie“ Rattanasangchod, Thailand

Teetawat hat sich für Platin entschieden, Mickie für Silber. Das ist ein Duo mit Führungsqualitäten, wie es leibt und lebt.

Hugo „SharP” Sahlberg, Schweden

Nicht der kompakteste Haarknoten, den wir während der Gruppenphasen gesehen haben, aber von gefälliger Proportionalität, und ungetrübt von eventuell ablenkender Gesichtsbehaarung.

Mats „sab“ Bauer, Niederlande

Der hochstehende Pony sorgt für einen lässigen Eindruck und das orangefarbene Stirnband zeugt von Nationalstolz und Schweißmanagementskills.

Lorenzo „Midna“ Nulli, Italien

Selbst eine Baseballkappe hat dem Volumen dieser majestätisch fließenden Mähne nichts entgegenzusetzen. Ob er verrät, welche Pflegeprodukte er benutzt?

Seht euch die Haarpracht der Top 8 des Overwatch World Cups 2018 selbst an, wenn das Viertelfinale am Freitag um 12:15 Uhr PDT (20:15 Uhr MEZ) startet. Egal, ob ihr vor Ort auf der BlizzCon dabei seid oder von zu Hause aus zuseht, über euren lokalen Stream und auf Twitter über @owpathtopro könnt ihr die gesamte Action verfolgen.
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